Nacherzählung der Geburt unseres Kindes

Erzählen werde ich, die Mutter:

 

Jetzt ist unser Kind schon länger auf der Welt, als unsere Schwangerschaft dauerte. Höchste Zeit also, die Gedanken nochmal an jenen Tag reisen zu lassen, als dieses gewaltige Wunder der Geburt geschah...

Ich muss wohl einen Tag früher beginnen, denn die Geburt sollte sehr lange dauern.

Am 30.12. abends endlich Wehen! Ich war voller Vorfreude, Neugier, aber auch respektvoll gespannt auf diesen lang herbeigesehnten Moment. Bald, dachte ich, werde ich unser Kind in den Armen halten und ein großes Geheimnis wird sich lüften.

Ich war von Anfang an geborgen, im Zusammensein mit mir sehr wichtigen Menschen. Mein Mann, meine Schwester und meine Freundin und Hebamme Helen begleiteten mich und unser Kind in großer Achtsamkeit. Diese erste Nacht der Wehen ist in meiner Erinnerung verblasst. Es gibt noch einzelne Bilder: Kerzenschein im Wohnzimmer, regelmäßiges tiefes Atmen während der Wehen, Nudelsalat auf dem Bauch, Badewanne, Gespräche, Lachen. Am Morgen war leider deutlich, dass diese, für mich schon unangenehmen, schmerzhaften Wehen, mir unser Kind noch nicht näher gebracht hatten. Der Muttermund sei noch kaum offen, sagte mir Helen. Der kommende Tag war ein sehr müder und wir alle konnten leider keine Richtung erkennen: Mal mehr, mal weniger Wehen. Versuche, die Wehen anzuregen scheiterten genauso wie die gegenteiligen Maßnahmen mit Tokoöl und Entspannungsbad. Helen hat unser Kind und mich mit sehr viel Wachsamkeit beobachtet. Sie strahlte Ruhe aus und ich fühlte mich dadurch sicher und geborgen. Helen akupunktierte, massierte, kochte Tee und hörte zu. Sie war einfach da, was nicht weniger wertvoll ist, wie ein aktives Tun.

Langsam kam Verunsicherung: Ist das nun die Geburt? Wieso habe ich Wehen und es geht nicht weiter? Der Versuch, abends bei einem Film zu entspannen, scheiterte. Um Mitternacht dann der Blasensprung! Jetzt ging es richtig los! Schwere Arbeit für mich und unser Kind. Nun heftige Wehen alle 2-3 Minuten. Badewanne- Bewegung- Stehen- Hocken- Liegen- Kreisen- Sitzen-... Und immer war ich in größter Konzentration auf die Atmung. Helen half mir dabei zu bleiben. Es ging endlich voran. Es war die wohl anstrengendste Nacht meines Lebens! Leider schwanden meine Kräfte im Morgengrauen zusehends. Die Schmerzen, die Anspannung, die Übermüdung und die völlige Erschöpfung waren so stark, dass sich der Muttermund verkrampfte und zusammenzog. Das waren schlechte Nachrichten, die Helen nach der Untersuchung mitteilen musste. Es war für alle klar, dass wir die Hausgeburt an dieser Stelle abbrechen mussten, um in die Klinik zu fahren. Ich konnte nicht mehr! Helen begleitete uns...

 

Das Ende der Geschichte in Stichpunkten:

Kreißsaal, PDA, Wehentropf, PDA erst Segen, dann wirkungslos, Schmerzen, Wehen, Saugglocke- DANN WAR UNSER KIND DA! Freude, Glück, Liebe, Erleichterung, absolute Erschöpfung.

 

Als wir nach Hause kamen, schossen unsere Nachbarn ihre Silvesterraketen in den Himmel. Für uns begann an diesem Tag nicht nur ein neues Jahr, sondern ein neues Leben als Eltern mit einem wundervollen Kind.

 

Danke an ALLE für ALLES!

Liebe schenkt Liebe

Liebe schenkt Leben

Leben schenkt Leid

Leid schenkt Sorge

Sorge schenkt Wagnis

Wagnis schenkt Glaube

Glaube schenkt Hoffnung

Hoffnung schenkt Leben

Leben schenkt Liebe

Liebe schenkt Liebe

 

 

Verfasser unbekannt