Wie der kleine Bläuling zu uns kam

Wir lernten Helen vor der Geburt unseres ersten Kindes, Emma, kennen. Da wir zu diesem Zeitpunkt noch als 'Hauseltern" in einem Kinderheim wohnten, kam für uns dort keine Hausgeburt in Frage. Aber glücklicherweise erfuhr ich von einer Bekannten, dass es doch noch das ein oder andere Geburtshaus in unserer Reichweite gibt. Hier fühlten wir uns vor, während und nach der Geburt von Emma bestens von Helen und Franziska betreut. Sodass ich knapp 3 Stunden nach Emmas Geburt zum Abschied sagen konnte:' Danke für dieses wunderbare Erlebnis! Gerne wieder!"

Wir hatten mittlerweile festgestellt, dass wir uns auch neben dem Hebammen - Eltern - sein gut verstanden. Da Helen jetzt sogar als Hausgeburtshebamme arbeitete war für uns klar: Das nächste Kind soll eine Hausgeburt bekommen - bei unserer "Hebammenfreundin". Noch mehr Privatsphäre! Noch mehr Vertrautheit!

Die zweite Schwangerschaft ließ dann auch nicht sonderlich lange auf sich warten. Gut 10 Monate nach Emmas Geburt rief ich bei Helen an um ihr zu berichten, dass ich mir recht sicher war wieder Arbeit für sie zu haben. Jetzt fehlte uns also nur noch ein Haus für die Hausgeburt. Wir hatten zwar schon vage etwas vereinbart, aber bis zum Kauf gab es noch einige wackelige, spannende Momente. Dazu kam die angespannte Wohnsituation mit Emma in der Kinderheim-WG und nicht zuletzt nach Kauf des Hauses ein großer Umzug und noch größerem Umbau. Fabian musste neben seinem Job alles rausreißen und innerhalb kürzester Zeit neu machen. Ich lit sehr darunter, dass ich mir unnütz vorkam und außer Emma zu hüten nicht viel helfen konnte. Dies war für uns alle eine anstrengende, nervenaufreibende Zeit. Aber auch hier erlebten wir (vor allem ich) Helens Besuche - ob als Hebamme oder Freundin - als sehr wohltuend, entlastend und beruhigend.

Wie von Helen vorher geahnt, war es dann an Fabians freiem Tag soweit. Nachdem ich seit Tagen endlich mal wieder durch geschlafen hatte, wachte ich gegen 6 Uhr auf und spürte beim Aufsetzen einen kleinen "Blopp" vom Blasensprung. Jetzt wurde es trotz aller Vorplanung aufregend. Mir war sofort klar - jetzt gibt es kein zurück mehr! In den nächsten 24 Stunden ist der kleine Mensch hier bei uns allen. Ich bat Fabi, dass er mir ein Handtuch bringen, meine Eltern wecken und die "To do Liste" starten sollte.

Ich rief Helen an, die mir riet alles in Ruhe zu tun wie immer bis sie gleich da ist.

Also knuddelte ich bewusst ein letztes mal ganz alleine mit Emma morgens im Bett und machte sie danach fertig für den Ausflug in den Zoo. Dabei musste ich immer wieder fast heulen, weil mir so klar wurde, dass auch für sie jetzt große schöne aber auch schwierige Veränderungen anstanden. Ich freute mich auf die Geburt und darauf Joscha endlich im Arm zu halten und zu sehen, hatte aber auch Bedenken wie Emma mit der neuen Situation klar kommt. Aber die Aufregung gewann dann die Oberhand.

Als Helen ankam verabschiedeten wir Emma und die Großeltern, die -seit sie Helen kennengelernt hatten beruhigt losziehen konnten und trotz ihrerseits verständlicher Ängste keine Bedenken hatten.

Wir erzählen dann kurz und Helen bat ein CTG machen zu dürfen. Weil die Wehen noch nicht so stark waren gingen Fabi und ich noch etwas bei unseren Schafen spazieren, sassen im Garten in der Sonne, frühstückten und plauderten...

Als die Wehen dann doch stärker wurden, merkte ich, dass ich lieber aus der Sonne gehen wollte. Wir überlegten, ob ich ein Bad nehmen sollte. Aber noch während dem Wasser einlassen wurden die Wehen sehr stark. Helen fragte mich, ob ich mir denn vorstellen könnte das Baby in der Badewanne zu bekommen. Ich glaube ich wusste zu diesem Zeitpunkt schon, dass ich das lieber nicht wollte, weil wir im Bad noch etwas Baustelle hatten und ich mich von Emmas Geburt noch daran erinnerte, dass ich sehr froh war über guten Halt. Aber andererseits stellte ich mir eine Geburt im warmen Wasser recht entspannt vor.

Jedenfalls wollte Helen vorher nochmal kurz untersuchen. Dabei hatte ich dann schon dass Gefühl pressen zu wollen. Also blieben wir lieber im Wohnzimmer, wo ich dann abwechselnd im Vierfüßlerstand und auf dem Hocker (wie schon von Emma bekannt) gut von Fabi gestützt die Geburt herbeisehnte - gut betreut und ermutigt von Helen und Fabi.

Zwischendurch erinnerte mich Helen daran, dass ich dem Gewebe etwas Zeit zum dehnen lassen sollte, weil sie bemerkte, dass ich auch zwischen den Wehen stark presste.

Ich merkte dann genau, wie sich Joschas Kopf durch den Geburtskanal schob und sagte dann auch irgendwas von" Jetzt ist er ganz durch!" Als ich dann das Gefühl hatte wirklich nur noch einmal pressen zu müssen bat Helen: " Sabine, du musst jetzt mal kurz aufstehen!"Ich dachte: Was? Das geht jetzt überhaupt nicht! Ich kann das nicht! Der Kopf ist doch schon etwas draußen...Was soll das jetzt?"

Helen sagte nochmal bestimmter: Steh bitte auf!" Fabi half mit hoch. Dadurch konnte Joscha wohl etwas besser rutschen und beim naechsten pressen kurz nach halb elf war er dann bei uns.

Sein Köpfchen war ganz schön blau. Aber ich war gar nicht beunruhigt, weil ich dachte, dass es vielleicht in den ersten Sekunden so normal ist. Ich hatte Emma nämlich die ersten paar Sekunden nach ihrer Geburt nicht gesehen, weil ich mich erstmal nicht getraut hatte mich zu bewegen. Also hatte ich zum Glück kein Vergleich.

Erst als ich mich wunderte, dass Helen recht angespannt wirkte, fragte ich mal nach, ob sie was brauchen würde. Aber sie rubbelte Joscha mit einem Handtuch und war dann sichtlich beruhigt als er gleich anfing zu brüllen.

 

Ich nahm das kleine blaue Kerlchen an mich und legte mich mit ihm auf die Couch. Joscha hatte die Nabelschnur um den Kopf und da es zwischen der Geburt des Kopfes und der Geburt des Körpers eine längere Wehenpause gab, entstand eine sogenannte Stauungszyanose, die auch ein bis zwei Tage anhielt.

 

Die Nabelschnur hatte auch schon nicht mehr pulsiert. Deshalb bekam ich dann wohl auch recht schnell Lösungsblutungen. Fabi konnte dann die Nabelschnur durchtrennen.

 

Joscha saugte dann gleich richtig gut an der Brust und guckte uns ganz zufrieden an. Wir freuten uns riesig, dass es unserem kleinen blauen Kerlchen so gut ging!

Wenig später schliefen Joscha und sein Papa zusammen im Bett, während Helen und ich auf die Geburt anstießen.

Helen blieb auch etwas länger, weil sie Joschas Blaufärbung (die schon ganz langsam zurück ging) beobachten wollte. Er machte aber sonst einen gesunden und zufriedenen Eindruck, sodass Helen uns noch sagte worauf wir achten sollten, sich dann verabschiedete und gegen Abend nochmal vorbei schauen wollte.

Emma kam dann gegen 16 Uhr mit den Großeltern vom Zoo zurück und war hin und weg von ihrem kleinen Babybruder und für ihre Verhältnisse auch auffallend andächtig.

Da Joscha ein echt unkompliziertes Baby ist verlief das Wochenbettbetreuung ebenso. Wir waren sehr froh über gewohnt offene Ohren, gutes Gespür für die Situation, und hilfreiche Tipps bei Nachwehen, stillen... Und besonders überrascht wie entspannt und schmerzfrei die Blutentnahme an der Ferse verlaufen kann.

 

Joschas Geburt erlebte ich etwas intensiver und bewusster als Emmas. Vielleicht weil es etwas schneller ging und ich nicht so müde war. Da ich die Geburt - sowohl für Kinder als auch für Eltern - für eins der wichtigste Lebensereignisse halte bin ich sehr froh und dankbar für diese beiden sehr stärkenden, einmaligen, schönen Erlebnisse mit viel Ruhe, Geduld und Vertrauen.

 

Vielen Dank an alle die dazu beigetragen haben!

Liebe schenkt Liebe

Liebe schenkt Leben

Leben schenkt Leid

Leid schenkt Sorge

Sorge schenkt Wagnis

Wagnis schenkt Glaube

Glaube schenkt Hoffnung

Hoffnung schenkt Leben

Leben schenkt Liebe

Liebe schenkt Liebe

 

 

Verfasser unbekannt