Meine Schwangerschaft und Geburt von J.

Es ist ein trüber Herbsttag, ich sitze in meinem Bett und lese in einem Schwangerschaftsbuch. Die Gedanken rennen durch meinen Kopf und lassen mir keine Ruhe. Es ist die zweite Schwangerschaft nachdem die erste Schwangerschaft nicht lange gedauert hatte und unsere Zwillinge leider bereits in der 8. SSW gestorben waren. Nun spielen die Gedanken und Gefühle verrückt – kaum auszudenken, was wäre wenn …

… ich wieder zum Arzt komme und er sagt „Die Schwangerschaft ist leider nicht intakt“.

… ich noch mal ins Krankenhaus müsste, weil das Baby wieder gestorben wäre.

In dieser Situation telefoniere ich mit einer Bekannten, die vor knapp 2 Wochen ihr Baby zur Welt gebracht hatte. Sie hatte eine Hausgeburt bei der Helen gemacht und war sehr zufrieden Sie hat mir natürlich auch die Helen empfohlen.

Nach der Fehlgeburt hatte ich sowieso darüber nachgedacht, bei der nächsten Schwangerschaft mir eine Hebamme für die Vorsorgen zu suchen… aber ich fand nicht die passende, ich hatte keine Idee, wo ich eine zu mir passende Hebamme finden konnte. Nun war es soweit und ich wollte unbedingt jemand finden, da kam mir der Hinweis der Bekannten sehr gelegen.

Schließlich kam es zu einem ersten Treffen mit Helen – und von Anfang an wusste ich „das passt mit ihr sehr gut“ – ihre Art wie sie mit mir umging in Bezug auf meine Angst, erneut ein Baby zu verlieren hat mir einfach nur gut getan! Aber auch im persönlichen Bereich haben wir Punkte gefunden, die uns beiden sehr nahe liegen.

Ich war froh, eine Hebamme gefunden zu haben, die zu mir passt. Und das hat sich durch die gesamte Schwangerschaft hindurch gezogen. Ich freute mich auf jeden Termin mit ihr, weil ich wusste, ich kann meine Fragen ganz offen stellen; ich mich total ernst genommen fühlte und Sie auf alle meine Fragen eine helfende und durchdachte Antwort hatte.

Hinzu kam noch, dass es für mich eine äußerst große Erleichterung war, dass Helen zu mir nach Hause kam und ich nicht zum Arzt musste (ich ließ die Vorsorgen bis auf den Ultraschall nur von Helen machen) – so konnte ich bis Helen da war, im Haushalt Dinge erledigen und musste nicht bangend im Wartezimmer sitzen mit der Angst, es könnte wieder etwas nicht in Ordnung sein.

Helen war jederzeit für mich DER Ansprechpartner, wenn ich Fragen hatte. So auch an einem Wochenende, als es mir 3 Tage nur schwindlig war und ich weder Getränke noch Essen in mir behielt. Ich habe Helen abends am Wochenende angerufen und Sie um ihre Einschätzung gefragt und habe prompt eine beruhigende Antwort bekommen, auch wenn es Samstagabend war!

Am spannendsten fand ich die Vorsorgen, als man bereits die Herztöne mit dem Dopton hören konnte. Es war wohl der frühstmögliche Zeitpunkt, als Helen mir anbot, es mal zu probieren, ob die Herztöne schon zu hören wären. Sie warnte mich, dass wir sie ggf. nicht hören würden, weil es noch zu zeitig dafür sei, ich mir aber keine Sorgen machen sollte, falls wir sie nicht hören. Sofort als sie das Dopton auf meinen Bauch setzte, hörten wir die Herztöne von unserem Kind! Dieser Moment – dieses Gefühl, das Herz des Kleinen schlagen zu hören, war unbeschreiblich!!!

 

Lange waren mein Mann und ich uns nicht sicher, ob wir eine Hausgeburt wagen wollen und uns trauen. Ich hatte ein sehr großes Vertrauen in Helen entwickelt, mein Mann kannte sie nur wenig, deshalb konnte ich es mir besser vorstellen als er. Nach langem Überlegen entschieden wir uns dann für eine Hausgeburt. Ab da freute ich mich riesig auf die Geburt unseres Kindes – ich musste mir keine Gedanken machen über eine unbekannte Hebamme im Kreißsaal; darüber wie man im Krankenhaus mit mir wohl umgehen würde; wie es wohl sein wird, im Auto mit Wehen ins Krankenhaus fahren zu müssen … mir ging es richtig gut mit dem Gedanken und sagte nicht wenige Male zu meinem Mann „welch ein Luxus, dass wir unser Kind daheim bekommen werden…!“

Knapp vier Wochen vor dem geplanten Entbindungstermin war Helen zur Vorsorge bei mir. Mir ging es richtig gut, alles war in bester Ordnung. Wir redeten noch darüber, dass ich mich jetzt langsam auf das Stillen vorbereiten wolle und ich fragte sie nach ein paar Tipps. Für mich war zwar alles noch ewig weit weg, trotzdem war ich sehr interessiert. Ich wusste, wenn es soweit ist, kann ich mir Helens Hilfe gewiss sein und so war es für mich auch nicht schlimm, dass ich mir nicht vorstellen konnte, wie stillen überhaupt einmal funktionieren solle.

Kurz bevor Helen ging, fragte ich sie noch, ob das Ziehen im Unterleib und Rückenbereich Senkwehen sein könnten. Sie meinte, dass das gut sein könne…

Am nächsten Morgen gegen halb 10 wollte ich unser zukünftiges Kinderzimmer noch vom Streichen säubern. Mir war leicht unwohl – da es aber nicht zu arg war, tat ich meine Arbeit einfach langsamer bis zu dem Punkt, als plötzlich ein heftiger Schwall Wasser zwischen meinen Beinen herunter rann. Völlig entsetzt und aufgeregt rannte ich auf Toilette. Es konnte kein Urin sein, dachte ich mir, wollte es aber nicht für wahrhaben, dass es wohl ein Blasensprung sei. Da ich zu diesem Zeitpunkt alleine zuhause war, rief ich zuerst Helen an und schilderte ihr mein Problem! Auf die Entfernung konnte sie natürlich nicht 100% sagen, ob es tatsächlich ein Blasensprung war. Sie gab mir noch ein paar Tipps, was ich tun könnte und bot mir an, in 2 Stunden bei mir zu sein (es war Samstag). Nachdem ich zuhause nun wie ein Tiger hin- und herlief und versuchte mit meiner neuen Situation zurechtzukommen, wurde mir immer bewusster, dass es ein Blasensprung sein muss und der Traum von der Hausgeburt mit dem Blasensprung geplatzt ist (eine Hausgeburt ist erst ab drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin möglich). Ich war unheimlich froh, dass Helen mir sofort ihr Dasein versprochen hatte und nahm dieses Angebot an – zumal klar war, dass mein Mann auch nicht vor ihr da sein kann.

Als Helen kam, empfing ich sie – anders als alle anderen Male - mit traurigem Blick an unserer Haustür. Sie kam, als wenn sie zu einer Hausgeburt käme, mit all ihren Materialien, die sie für die Geburt benötigt – im Nachhinein ein schönes Gefühl, doch in diesem Moment wusste ich nicht ob ich lachen oder weinen sollte, tat aber eher letzteres.

Helen startete ein CTG, um die Herztöne von unserem Kind zu überprüfen – sofort als sie sehen konnte, dass es dem Kind gut geht, sagte sie es mir – das war schon mal ein gutes Zeichen. Während das CTG weiterlief, erzählte ich Helen die Geschichte noch mal von vorn und ausführlicher als am Telefon. Für sie klang es sehr nach einem Blasensprung, was sie dann auch untersuchen wollte und noch bevor sie mit Untersuchen anfing, kam erneut ein so großer Schwall Fruchtwasser, dass alles klar war, sie tastete noch nach dem Muttermund und stellte fest, dass dieser bereits 4cm geöffnet war – und das ohne bisher Wehen gespürt zu haben. Als nun klar war, dass es tatsächlich ein Blasensprung war, nahm Helen mich in den Arm und gratulierte mir, dass ich mitten unter der Geburt sei und unser Kind sich bereits auf den Weg gemacht hat!

Ich konnte es nicht fassen – ich war einfach nur traurig, dass ich mein Kind nicht daheim in die Arme schließen konnte und konnte nur weinen.

Helen betonte immer wieder, dass wir uns freuen können, dass sich unser Kind auf den Weg macht und sich selbst den heutigen Tag ausgewählt hat – aber ich wollte doch daheim entbinden! Das tat mir so sehr weh!

Helen blieb noch eine Weile bei mir, bis mein Mann eintreffen sollte. Diese Zeit war die wertvollste Zeit, die ich je mit Helen bis dahin hatte. Sie nahm sich Zeit, um mit mir gemeinsam über die Geburt in der Klinik zu reden – sie half mir, mir in meiner neuen Situation bewusst zu machen, wie ich mir die Geburt unseres Kindes vorstelle und was ich nicht möchte. Ich alleine wusste gar nicht mehr, auf was es mir ankam und auf was nicht. Ohne Helen hätte ich vermutlich alles, was man in der Klinik mit mir gemacht hätte, zugelassen. Durch das Gespräch mit Helen war ich gestärkt, um meine Vorstellungen und Wünsche zu äußern!

Während unseres Gespräches merkte ich erste leichte Wehen – ca. 3h nach dem Blasensprung. Helen gab mir noch ein paar Tipps, um gut mit den Wehen umzugehen und riet uns, nicht gleich in die Klinik zu fahren, sondern noch gemeinsam in Ruhe Mittag zu essen und die Zeit miteinander zu genießen! Nur 2 Stunden später hatte ich Wehen alle 10min und wir fuhren in die Klinik.

Dort angekommen, waren wir in der „Maschinerie“ einer Krankenhaus-Geburt drin – CTG, im Bett liegen, Arzt-Untersuchung, … bis endlich die Hebamme kam – es dauerte wohl nicht allzu lang, kam mir aber recht lang vor. Im Kreißsaal hat die Hebamme mich dann noch mal untersucht und stellte fest, dass der Muttermund bereits 8cm geöffnet war. Die Wehen waren nun auch schon sehr häufig (es war vielleicht so gegen 16Uhr) – dann meinte die Hebamme, dass wir unser Kind wohl in ca. 1 Stunde haben werden. Ich konnte es zwar nicht glauben, aber wenn es so sein soll!?

Die Zeit verging wie im Flug – mein Mann stets an meiner Seite, die Hebamme mal da, mal am PC… (was macht die da??? Dachte ich mir immer wieder!) Irgendwann rief sie den Arzt, dass er kommen könne – ich dachte mir „was will der denn jetzt hier!?“??? Das habe ich nicht so recht realisiert, dass sie ihn dazu bestellt hat, weil das Kind gleich kommt ;-)

Kurz bevor unser Kind tatsächlich da war, wollte der Arzt nachhelfen und einen Dammschnitt machen, was ich aber absolut nicht wollte – und ich bin sooo stolz, weil ich während dieser Phase noch deutlich intervenieren konnte – und die Hebamme war auf meiner Seite und ein Dammschnitt konnte verhindert werden. Jetzt im Nachhinein weiß ich ganz sicher, dass ich in diesem Moment nur intervenieren konnte, weil Helen sich noch die Zeit genommen hatte, um mit mir über die Geburt in der Klinik zu reden!

Unser Sohn war nach nur 5,5 Stunden Wehenarbeit geboren und wir waren sehr froh, dass es unserem Frühchen so gut ging und die Geburt in der Klinik so schnell gegangen war!

Leider habe ich mich nicht getraut, gleich nach der Geburt heimzugehen, was ich aber tief in meinem Herzen gewollte habe. Ich dachte, es wäre vielleicht besser eine Nacht in der Klinik zu bleiben. Im Nachhinein ärgere ich mich darüber sehr arg! Denn in der Klinik waren zwar alle freundlich, aber das mit dem Stillen war irgendwie nicht so wie erhofft. Ich hatte doch keine Ahnung, wie das funktionieren soll. Die Hebamme legte mir unseren Sohn zwar an, der wollte (oder konnte???) aber nicht so recht trinken. Naja, da er wohl müde war, legte auch keiner einen großen Wert drauf, dass er trinken würde… Aber, dass ein Frühchen vielleicht noch zu wenig Kraft hat bzw. zu müde ist und geweckt werden sollte, das wusste ich damals noch nicht und ließ ihn in Ruhe und habe ihn in den 18h Klinik-Aufenthalt vielleicht nur 3x angelegt…

Als ich endlich am nächsten Tag daheim war, kam Helen sehr bald zu uns. Es war so schön, sie wiederzusehen. Und sie kümmerte sich sehr eifrig darum, dass unser Sohn trank; sie erklärte uns, welche Problem Frühchen haben können, wenn sie nicht trinken und was unsere Aufgabe als Eltern ist. Da es mittags nur sehr schlecht geklappt hatte, bot sie mir an, abends nochmal vorbeizukommen. Dies wollte ich ihr eigentlich ersparen, rief sie jedoch noch mal an, um mir telefonisch Tipps zu holen. Da aber nicht abgeklärt werden konnte, ob unser Sohn unterzuckert, kam am späten Abend doch noch vorbei – zum Glück, um uns zu ermutigen, dass unser Sohn nicht den Eindruck macht, unterzuckert zu sein. Er hatte dann, als sie da war, auch ein wenig getrunken, wohl aber nicht wirklich ausreichend, so dass wir die Nacht dran bleiben müssten! Damit hatte ich eine sehr ruhelose Nacht, denn ich tröpfelte unserem Sohn tropfenweise die Milch in bzw. um den Mund, stellte mir den Wecker, um ihn zu wecken und zum Trinken zu animieren, was jedoch von minimalstem Erfolg gekrönt war. Mein Mann und ich saßen im Bett und hofften, er würde trinken, immer wieder fragte mein Mann „und trinkt er?“ – eins, zwei Züge – dann nicht mehr… - ich bin bald verzweifelt.

Am nächsten Tag kam Helen bereits in der Früh, unser Sohn hatte nach wie vor sehr wenig getrunken – zum Glück war er auch da, wenn auch gerade so, nicht im Unterzucker! Helen gab mir sämtliche Tipps, was ich tun könne, damit das Stillen funktioniert – und nachdem wir alle Tipps befolgt hatten, also alles besorgt hatten, trank unser Sohn ohne jegliche Hilfsmittel (über Stillhütchen, Milchpumpe, Fertignahrung…) völlig von alleine!

Ich war sooo froh, Helen an unserer Seite gehabt zu haben, die uns immer wieder bestärkt und ermutigt hat und Dinge deutlich gemacht hat und uns mit Rat und Tat zur Seite stand. Nun ist unser Sohn knapp 5 Monate alt und es gab keine Still-Probleme mehr. Für mich steht fest, dass Stillen das Beste ist, was ich meinem Kind geben kann und werde meinen Sohn solange weiter stillen wie nur möglich – besonders nach diesem schweren Start und dem versäumte knappen Monat, den er weniger in der sicheren Schutzhülle bei Mama verbringen konnte!

Liebe schenkt Liebe

Liebe schenkt Leben

Leben schenkt Leid

Leid schenkt Sorge

Sorge schenkt Wagnis

Wagnis schenkt Glaube

Glaube schenkt Hoffnung

Hoffnung schenkt Leben

Leben schenkt Liebe

Liebe schenkt Liebe

 

 

Verfasser unbekannt