Unser Spätsommerwunder

Alles begann recht unscheinbar 2 Wochen vor dem Geburtstermin in einer Nacht von Sonntag auf Montag. Ich wurde wach weil es mir irgendwie im Bauch zog. Es war nicht sehr schmerzhaft, gerade so schlimm, dass ich nicht weiterschlafen konnte. Zuordnen konnte ich es nicht, schob es nach einigen Überlegungen ob es wohl Wehen sind auf eine Darmproblematik. Nach ca. 2 Stunden war der Spuk wieder vorbei und ich legte mich wieder schlafen.

 

Am nächsten Morgen war ich natürlich etwas müde und nahm mir fest vor, einen Mittagsschlaf zu halten, wie ich es mir in den letzten Wochen angewöhnt hatte. Daraus wurde dann nichts, dafür verbrachte ich einen schönen Tag mit einer Freundin und einem Bauchfoto-Shooting.

 

An diesem Montag hatten wir Freunde auf einen Cocktailabend eingeladen. Sie waren dann bis kurz vor halbzwölf da und es war ein sehr schöner Abend. Nur war ich irgendwann sehr müde... kaum im Bett bin ich dann auch bald eingeschlafen. Um ca. halbzwei wachte ich wieder auf, wieder von Schmerzen. Diesmal waren es eindeutig Wehen. Erst versuchte ich, weiterzuschlafen. Als dies aufgrund der Schmerzen nicht möglich war, stand ich auf, es war 2 Uhr. Abermals versuchte ich, die Zeit mit surfen im Internet todzuschlagen. Noch rechnete ich nicht damit, dass tatsächlich die Geburt losging; dachte vielmehr, dass es noch wochenlang so gehen kann, dass ich nachts Wehen habe. Es war langweilig und ich wusste nicht, wie ich die Zeit rumbringen soll. Also legte ich mich wieder ins Bett, aber schlafen war nicht möglich. Ich stand wieder auf und las ein wenig. Um halbfünf ging ich wieder ins Schlafzimmer und überlegte, ob ich meinen Mann wecke. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon davon überzeugt, dass das Kind noch heute geboren wird. Wecken war nicht nötig, er wachte von selber auf. Auf die Frage was ich denn habe antwortete ich relativ genervt „Na Wehen, was denn sonst?“. Ich wollte einfach nur Schlafen! Die letzte Nacht war schon nur 4 Stunden lang, diese jetzt nur 2 Stunden, wie soll ich denn da bitte eine Geburt bewerkstelligen? Aber Schlafen war wirklich nicht möglich, dazu waren die Schmerzen einfach schon zu stark. Ich fing an, die Wehen immer wieder zu veratmen. Sie waren noch sehr unregelmäßig. Mein Mann stand mit auf, nun war auch er sehr aufgeregt. Er überlegte, ob er in die Arbeit fahren soll. Schließlich entschied er sich dagegen, auch wenn die Wehen nach wie vor unregelmäßig waren. Mein Frühstück viel klein aus, ein wenig Obst. Ich hatte Angst, dass ich später sowieso alles wieder Erbrechen muss (wie regelmäßig bei meiner Periode). Um 8 riefen wir das Geburtenhandy an, Helen ging ran. Später erzählte sie uns, dass sie aufgrund des bevorstehenden Wetterumschwunges schon damit gerechnet hatte, dass es heute klingeln würde. Die Wehen waren nach wie vor zwischen 5 Minuten und 20 Minuten Abstand wechselnd. Sie empfahl mir, in der Wanne zu prüfen ob es sich einpendelt und bot mir an, zu kommen. Wir sagten, dass dies nicht nötig sei und versprachen, uns bei Veränderungen wieder zu melden. Ich ließ mir also Wasser in die Wanne und bis 16 Uhr blieb alles mehr oder weniger beim Alten: Wehen, die immer wieder zwischen 5 und 20 Minuten hin und herpendelten. Jede Wehe kündigte sich nun mit Druck auf den Anus an, wie wenn man aufs Klo muss. Anfangs waren es eigentlich nur Unterleibsschmerzen gewesen, das war wesentlich angenehmer. Sie wurden ganz langsam immer schmerzhafter. Ich veratmete sie anfangs vor allem in der Küche, später am liebsten im Türstock vom Bad. Nach jeder Wehe musste ich aufs Klo und Wasser lassen. Schnell merkte ich, dass es mir in der Wanne am besten erging, hier war alles noch gut zu ertragen. Mein Mann hat zu Mittag einen großen Topf Suppe gekocht. Später diskutierten wir – ich in der Wanne, er daneben sitzend – über Jungsnamen; und kamen nach wie vor zu keinem Schluss.

 

Um 16 Uhr bemerkte ich auf dem Klopapier Blutschmiere. War das etwa der Schleimpropf? Es war nach ein paar mal abwischen immer noch etwas dran, also wohl wirklich! Ich war hin und hergerissen, ob ich mir wünschte, dass die Geburt nun tatsächlich endlich losgeht, oder ob ich mir nicht doch einen Tag Pause mit endlich schlafen herbeisehne, während die Wehen sich langsam auf 3-5 Minuten einpendelten, manchmal aber auch noch 10 Minuten. Um 17 Uhr riefen wir erneut die Hebamme an. Ihre liebe Art tat mir so gut und langsam wollte ich auch mal wissen, wie weit der Muttermund geöffnet ist. Ich wünschte mir aber auch, so viel wie möglich von der Geburt alleine für uns zu haben. Also schlugen wir ihr Angebot aus, sofort zu kommen und vereinbarten, dass sie nach ihrem nächsten Termin vorbeikommt.

 

Um kurz vor 20 Uhr kam Helen und es war erleichternd sie da zu haben. Sie gab mir einfach die Sicherheit, dass alles gut und richtig ist. Die Wehen wurden jetzt auch heftiger und kamen regelmäßig alle 3-5 Minuten. Ich stieg aus der Wanne, damit sie den Muttermund tasten kann. Er war 3 cm geöffnet. Trotzdem war ich niedergeschlagen. Bis dahin hatte ich gehofft, dass die Geburt schon viel weiter vorangeschritten ist. Wir waren also noch ganz am Anfang, und das nach 18 Stunden Wehen. Wie soll ich das nur schaffen? Ich bin so müde, dachte ich! Für Helen war nun klar, dass sie bleibt. Ich durfte nun wissen, dass ich die Wehen richtig veratme – wie beruhigend. Jetzt zogen die Wehen auch in den Rücken und in die Beine. Um kurz vor 23 Uhr wechselten wir ins Bett und Helen tastete erneut nach dem Muttermund: 6 cm. Das hört sich doch gut an, alles wie es sein soll. Ich rechnete nach: Dann dürfte das Kind so um 3 Uhr auf die Welt kommen. Warum nicht noch heute vor Mitternacht??? Ich hatte keine Lust mehr. Auf die Schmerzen. Darauf, dass es (in meinen Augen) so quälend langsam vorangeht. Helen meinte, dass die Herztöne etwas angestiegen sind. Noch nicht schlimm, aber evtl ist das Badewasser zu warm. Sie empfahl mir, doch mal eine Bade-Pause einlegen. Kurze Pausen hatte ich ja immer wieder gemacht. Einmal fürs Klo und zum andern um meinen Kreislauf zu schonen. Ich versuchte die Wehen auf dem Ball zu veratmen: Fehlanzeige. Auch andere Positionen halfen nicht viel. Der Druck auf den After wurde immer heftiger, ich bekam schon Pressdrang. Ich ging wieder in die Wanne. Helen tastete nochmal nach, weil die Hoffnung bestand, dass ich wirklich schon pressen dürfte. Leider nein: 8 cm. Ok, das ging schnell, in nur einer Stunde 2 cm. Aber das Pressen musste ich unterdrücken. Helen half mir, die Wehen zu veratmen, weil sonst die Gefahr besteht, dass der Muttermund reißen kann. Aber nein, es war nicht möglich das Pressen zu unterdrücken. Es bestand die Hoffnung, dass der Pressdrang besser würde, wenn endlich die Fruchtblase platzt. Doch auch als diese endlich aufging war der Pressdrang leider nicht besser. Mein Mann machte indes noch die letzten Vorbereitungen zur Begrüßung des Kindes: Er zündetete Kerzen an und schuf somit eine angenehme heimelige Atmosphäre für den Bauchbewohner. Außerdem wurde kräftig eingeheizt. Erneutes Tasten: 9 cm. Es geht also schnell voran, es war gegen 1 Uhr nachts. Aber pressen darf ich noch immer nicht. Helen bot mir an, bei der nächsten Wehe den Muttermund über das Köpfchen zu stülpen. Dies könnte unangenehm sein, dafür aber den Muttermund schonen. Die nächste Wehe kam, aber ich presste so feste, das es nicht klappte. Erneuter Versuch bei der nächsten Wehe: Es glückte. Juhuu, Erleichterung: Endlich darf ich pressen! Obwohl ich vorher noch so müde gewesen bin, hatte ich nun unglaublich viel Kraft zum Pressen, war hellwach und voller Energie. Ich überlegte noch kurz, aus dem Wasser zu gehen, damit das Kind nicht im Wasser auf die Welt kommt. Doch der praktische Gedanke überwog: Dann muss mein Mann nicht so viel sauber machen, wenn ich jetzt einfach im Wasser bleibe. Nun wurde ich auch laut, wo ich bis dahin maximal gejammert habe bei den Wehen. Ich spürte, wie das Kind langsam durch den Geburtskanal gedrückt wurde. Bald schon meinte Helen, dass sie das Köpfchen sah. Über meinen Bauch blickend sah ich auch schon die ersten Häärchen. Der Einlauf der Badewanne stellte gleichzeitig einen Spiegel für mich da, ich konnte die Geburt so ein bisschen verfolgen und beobachten. Das war toll! Helen hielt das Köpfchen noch eine Wehe lang um den Damm zu schonen, dann durfte das Köpfchen kommen. Ich spürte wie die Haut ganz gespannt war und presste was ging. Das Köpfchen war da, die Haut am Damm wurde wieder entlastet. Nun sollte eine kleine Pause folgen, damit sich das Kind drehen kann. Aber nein, noch in der selben Wehe presste ich erneut und spürte, wie der Körper rausflutschte. Eh ich mich versah, legte mir Helen das Kindchen in die Arme. Helen zeigte uns, wie die Nabelschnur noch pulsierte. Als sie aufgehört hatte zu pumpen, durfte mein Mann sie durchtrennen. Nach ca. 10 Minuten kam mir plötzlich der Gedanke: was haben wir da eigentlich? Schnell spitzte ich zwischen die Beine: Ein Mädchen!

 

Wir wurden zum in-Ruhe-kennenlernen-und-kuscheln in das eigentlich als Geburtszimmer vorbereitete Kinderzimmer begleitet. Nach einem kurzen Test, ob die Plazenta schon kommt, waren wir erstmal unter uns. Nachdem die Plazenta geboren war machte Helen noch die U1, half uns beim Wickeln und Anziehen und verabschiedete sich. Was für eine ganz besondere Nacht...

 

Danke Helen, dass du uns und unserer Tochter diese wunderschöne und sanfte Geburt ermöglicht hast!

Liebe schenkt Liebe

Liebe schenkt Leben

Leben schenkt Leid

Leid schenkt Sorge

Sorge schenkt Wagnis

Wagnis schenkt Glaube

Glaube schenkt Hoffnung

Hoffnung schenkt Leben

Leben schenkt Liebe

Liebe schenkt Liebe

 

 

Verfasser unbekannt